Virginia Herzog erzählt...

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Virginia hat zwei wunderbare Söhne. Ihre inspirierende Ge­schichte rund um die Geburt, die Zeit danach und ihren Herausforderungen haben uns sehr berührt.

Gerne erzähle ich euch meine Geschichte über die grösste Herausforderung bei der Geburt meiner Söhne. Im Jahr 2014 kam un­ser erster Sohn zur Welt, ich hatte am 2.9.14 schon leichte wehen, war auch schon 40ssw plus. Also ging ich am 3.9.14 ins Spital und hatte tatsächlich Wehen, doch leider pass­te sein Kopf nicht durchs Becken und man entschied sich für einen Kaiserschnitt. Als er dann da war, ging es plötzlich hektisch zu und her. Mein Mann wurde gerufen und mein Sohn, samt der Ärzte waren weg. Ich musste 10 Minuten warten, was mir aber wie Stunden vorkam.

Kein einfacher Start

Dann kam endlich mein Mann und erklärte, dass unser Sohn eine Spalte hätte. Ich war zuerst verwirrt, da ich mir in dieser Situation nichts unter «Spalte» vorstellen konnte. Kurze Zeit später kam eine weitere Ärztin mit meinem Sohn im Arm und sagte mir ich sollte mich nicht erschrecken, da er eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte habe. Dann durfte ich ihn endlich nehmen und für mich war er der schönste Junge der Welt. Leider konnte ich nicht wie andere Stillen, sondern habe abgepumpt. Ich weiss noch genau, dass ich volle 8 Monate abgepumpt habe, da ich ihm durch das unmögliche Stillen trotzdem etwas mitgeben wollte. Leider konnte ich auch nicht wie andere nach drei Tagen nach Hause. Mein kleiner wurde sondiert. Das heisst, dass er die ganze Milch über ein Schläuchlein durch die Nase gefüttert bekam. Es war eine harte Zeit. Am selben Tag kurz nach der Geburt, sagte die Hebamme, dass am nächsten Tag eine Spezialistin kommen wird. Ich nahm dies in dieser Situation zu Kenntnis.

Wir sind stolz auf unseren Sohn

Als ich dann gerade dabei war, mich dem „Mama sein“ zu widmen, stand urplötzlich die Spezialistin in der Tür. Sie hatte sich nach Feierabend direkt noch auf den Weg gemacht. Mit Abdrücken und einem Tablet bewaffnet, hielt sie über eine Stunde unseren Fragen stand und zeigte uns Bilder von Kindern, welche bereits die wichtigsten Operationen hinter sich hatten. Schliesslich nahm sie noch einen Abdruck und liess dann, im gefühlten Expressverfahren, Gaumenplättchen anfertigen. Es war eine richtige Herausforderung, da mein Sohn das nicht so toll fand, dass ihm etwas Gummiartiges gegen den Gaumen gedrückt wurde. Noch während der Übungsphase für das trinken lernen mit Gaumenplättchen, erhielt ich dann noch die Diagnose, dass er an einem Persistierenden Ductus Arteriosus leidet, das ist ein angeborener Herzfehler, bei welchem sich eine vorgeburtliche Brücke zwischen Hauptschlagader und Lungenarterie nach dem ersten Atemzug nicht selbstständig schloss. Doch schliesslich, nach 10 Tagen eifrigstem lernen, durfte ich unseren kleinen nach Hause nehmen und selbständig sondieren. Jedoch auch da war es nicht leicht, täglich musste ich Tagebuch führen, wieviel der kleine durch das Sondieren zu sich nahm. Glücklicherweise ist es nun so wie bei jedem anderen Kind, nur das unser Sohn bis zum 2. Lebensjahr 6 Operationen hinter sich gebracht hat. Wir sind stolz auf Ihn.

Verdacht auf Down Syndrom

Unser zweiter Sohn war dadurch nicht einfacher. Ich war etwa im 6 Monat schwanger, als ich plötzlich wehen bekam. Wir gingen zum Arzt, welcher beim Ultraschall was Ungewöhnliches entdeckte. Er schickte uns zum Spezialisten nach Winterthur. Da erfuhren wir das unser Sohn einen Knoten im Darm hat, einem sogenannten «Double-bubble-Phänomen», das heisst, dass im Ultraschall zwei dunkle Blasen im Bauchraum angezeigt werden, was von einem Unterbruch der Darmdurchlässigkeit zeugt. Ausserdem stellte er fest, dass sein Oberarm- sowie Oberschenkelknochen verkürzt und der Kopf vergleichsweise klein war. Es stellte sich der Verdacht auf Down Syndrom ein. Solche Anzeichen nennt man «Sonografische Softmarker», einer allein hiess noch gar nichts, jedoch gleich vier davon könnte auf eine Chromosomenbesonderheit hinweisen. Klar war es ein Schock, aber wir wussten, dass wir ihn so lieben würden, wie er ist. Mein Mann verbrachte dann sehr viel Zeit mit Lesen von Studien und Erfahrungsberichten. Schlussendlich lief alles auf das Gleiche hinaus. Einerseits hiessen Softmarker so, weil sie nur Hinweise sind und andererseits kann man nicht in die Zukunft blicken. Der Tenor aus den Erfahrungsberichten war aber immer der Gleiche. Viele hatten Kinder ohne dass jemals ein Softmarker festgestellt wurde, andere hatten Kinder mit 5 und mehr Softmarkern und bekamen kerngesunde Kinder. In der 37ssw kam er schlussendlich mit einem Kaiserschnitt zur Welt. Verdacht auf down Syndrom konnten wir direkt aus­schliessen. Ich durfte ihn auch direkt in den Arm nehmen.

Ende gut, alles gut

Das Problem mit dem Darm blieb jedoch. Und so musste ich ihn doch nach 20min in einem Brutkasten ins Kinderspital Zürich gehen lassen. Die Ärzte nahmen ihn mit in die Neonatologie, während ich im Unispital Zürich bleiben musste. Die erste Nacht ohne ihn war der Horror. Glücklicherweise sind die beiden Spitäler nicht weit auseinander. Also habe ich direkt am nächsten Tag ein Taxi genommen, auch wenn der Arzt dagegen war. Ich musste einfach zu ihm. Ich war dann endlich bei der Station angekommen, in den Arm nehmen lag aber noch nicht drin, sein Fingerchen zu berühren dafür umso mehr. Nach qualvollen fünf Tagen wurde ich entlassen und wir mussten ohne ihn nach Hause. Mein Mann verbrachte die ganze Zeit mit unserem ersten Sohn in einem Spitalhotel und pendelte jeden Tag mehrmals zwischen den Spitälern hin und her, um mir oder unserem kleinsten zu helfen. Eine geschlagene Woche lang wurde unser jüngster künstlich ernährt. Doch dann, am 26.Juli 2017, war endlich seine Operation am Darm. Es hiess warten. Drei Stunden. Zum Glück lief alles reibungslos. Er musste eine weitere Woche auf der Intensivstation verbringen. In dieser Zeit durften wir ihn nicht anfassen. Das war hart. Doch als er dann wieder auf die Neonatologie versetzt wurde durften wir ihn wieder berühren, wickeln und sogar halten. In der dritten Woche durfte ich ihn sogar stillen. Es klappte auf Anhieb. Jedoch durfte er nur einige Schlückchen nehmen, um zu schauen, ob er es verträgt. Es war trotzdem ein grossartiges Gefühl. Er vertrug es. Am 12. August 2017 kam dann früh morgens der erlösende Anruf, dass wir ihn mit nach Hause nehmen dürfen. Es war die schönste Nachricht.

Mit meinen beiden Geschichten möchte ich Müttern und Werdende den Mut zusprechen, damit ihr durch diese harten Zeiten kommt. Jeder zu beobachtende Fortschritt eurer Kinder wird es wert sein, jede Hürde zu überwinden und nicht aufzugeben.

Ich erzähle euch meine Geschichte über die grösste Herausforderung bei der Geburt meiner Söhne. 

Was für eine schöne Geschichte, so eine starke Mama und ein toller Papa, ein grossartiges Team! Elternliebe lässt und so schön gemeinsam wachsen ?? Alles Gute euch!

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